Veranstaltung „Bekämpfung organisierter Drogenkriminalität – Strategien Nordrhein-Westfalens und der Europäischen Union“
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Strafverfolgung diskutierten über aktuelle Herausforderungen bei der Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität
Am 08.06.2026 richtete das Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union in Brüssel die Veranstaltung „Bekämpfung organisierter Drogenkriminalität – Strategien Nordrhein-Westfalens und der Europäischen Union“ aus. Im Mittelpunkt standen die Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität in Europa sowie die Frage, wie Strafverfolgungsbehörden und politische Entscheidungsträger international vernetzten kriminellen Netzwerken wirksam begegnen können.
In seinem Grußwort betonte der Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, die wachsende Bedrohung durch die organisierte Drogenkriminalität für die Sicherheit in Nordrhein-Westfalen und Europa. Organisierte Kriminalität agiere längst grenzüberschreitend, nutze digitale Kommunikationswege, internationale Logistikstrukturen und erhebliche Finanzmittel, um ihre Aktivitäten auszuweiten und legale Strukturen zu unterwandern. Minister Reul hob hervor, dass dieser Herausforderung nur durch eine enge internationale und behördenübergreifende Zusammenarbeit begegnet werden könne. Darüber hinaus sprach er sich für eine konsequente Vermögensabschöpfung nach dem Grundsatz „Follow the Money“ aus und unterstrich die Bedeutung gemeinsamer europäischer Strategien zur Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität. Dabei warb er erneut für eine echte Beweislastumkehr bei der Abschöpfung kriminell erlangter Vermögenswerte.
Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, stellte in seiner Keynote die sicherheitspolitischen Prioritäten der Europäischen Union vor und betonte, dass Sicherheit eine grundlegende Voraussetzung für Demokratie und gesellschaftliche Stabilität sei. Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit würden dabei zunehmend verschwimmen; Organisierte Kriminalität profitiere verstärkt von geopolitischen Krisen und Konflikten und erfordere gemeinsame europäische Antworten auf grenzüberschreitende Bedrohungen. Zur Stärkung der europäischen Sicherheitsarchitektur kündigte Brunner mehrere Legislativvorhaben an. Hierzu zählen insbesondere die Überarbeitung der Mandate von Europol und Frontex sowie eine Anpassung des strafrechtlichen Rahmens zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Abschließend betonte er, dass globale kriminelle Geschäftsmodelle nur durch koordinierte internationale Antworten wirksam bekämpft werden könnten.
Kriminaldirektor Michael Esser stellte die Arbeit der Ermittlungsgruppe Fusion vor und erläuterte dabei das Phänomen „Violence as a Service“ (VaaS), das im Zusammenhang mit einer Serie von Gewalttaten in Köln im Jahr 2024 erstmals in dieser Form festgestellt wurde. Auslöser der Auseinandersetzungen war die Entwendung von rund 350 Kilogramm Marihuana. In der Folge kam es zu insgesamt 16 Sprengstoffanschlägen auf Wohn- und Geschäftsgebäude sowie weiteren schweren Gewaltdelikten. Herr Esser erläuterte die arbeitsteilige Struktur von VaaS, bei der Auftraggeber über Vermittler und Rekrutierer gewaltbereite Personen für die Ausführung von Straftaten anwerben. Als Täter würden häufig junge Menschen eingesetzt, die nur begrenzte Kenntnisse über die Hintergründe der Straftaten besäßen. Die Anbahnung erfolge zunehmend über verschlüsselte Kommunikationsdienste sowie Plattformen im Darknet. Als zentrale Erkenntnis hob Herr Esser hervor, dass die erfolgreiche Bekämpfung solcher Kriminalitätsformen nur in enger Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlungsbehörden funktioniere.
In der Podiumsrunde diskutierten MdEP Lena Düpont, Mitglied des Ausschusses für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE), Jo De Cock, Referatsleiter für die Bekämpfung Organisierter Kriminalität, Drogen und Feuerwaffen bei der Europäischen Kommission (DG Home), Aaldrik Krol, strategischer Leiter des nationalen Drogenprogramms der Niederländischen Polizei, sowie Thomas Schulte, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, über verschiedene Ansätze zur wirksameren Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität und des Kriminalitätsphänomens „Crime as a Service“.
Die Panelteilnehmer stellten heraus, dass die verstärkte Überwachung großer Häfen wie Rotterdam, Hamburg und Antwerpen bereits zu wichtigen Erfolgen bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels geführt habe. Gleichzeitig hätten kriminelle Netzwerke ihre Transportwege jedoch zunehmend auf kleinere Häfen und alternative Routen, etwa über Westafrika, verlagert. Herr Krol betonte in diesem Zusammenhang, dass die Erfolge bei der Sicherung großer Häfen eine verstärkte Zusammenarbeit mit Transit- und Herkunftsstaaten erforderlich machten. Als Beispiel für einen präventiven Ansatz verwies er zudem auf die niederländische „Bibob“-Gesetzgebung, die Unternehmen in bestimmten Bereichen zur Darlegung ihrer Zuverlässigkeit verpflichtet. Herr Schulte unterstrich die steigende Bedeutung des Kokainhandels für die Organisierte Kriminalität in Europa und die Notwendigkeit, Strafverfolgungsbehörden technisch und rechtlich in die Lage zu versetzen, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Einigkeit bestand darin, dass die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität nur durch die konsequente Zusammenarbeit aller EU-Mitgliedstaaten gelingen könne. Frau MdEP Düpont hob die Bedeutung des „Administrative Approach“ hervor und sprach sich für verbesserte Datenzugriffsmöglichkeiten für Ermittlungsbehörden sowie den Abbau rechtlicher Hürden beim Informationsaustausch aus. Herr De Cock betonte die grenzüberschreitende Dimension der Drogenkriminalität und verwies insbesondere auf die zunehmende Bedeutung des Golfs von Guinea als Transitregion für den Drogenschmuggel. Als zentrale Strategie zur Schwächung krimineller Netzwerke hoben die Diskussionsteilnehmer den Ansatz „Follow the Money“ hervor, um Gewinne aus dem Drogenhandel konsequent abzuschöpfen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Möglichkeit einer Beweislastumkehr bei der Abschöpfung illegal erlangter Vermögenswerte diskutiert. Einigkeit bestand zudem darin, dass erfolgreiche Präventionsarbeit nur im Zusammenwirken von europäischer, nationaler und lokaler Ebene gelingen könne und insbesondere auf Bildung, Familie und digitale Aufklärung setzen müsse.
Im Schlusswort dankte Minister Reul den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den Austausch. Die Diskussion habe gezeigt, dass der Organisierten Kriminalität nur durch ein eng abgestimmtes internationales und behördenübergreifendes Vorgehen wirksam begegnet werden könne. Er hob die Bedeutung des „Follow the Money“-Ansatzes und einer wirksamen Vermögensabschöpfung hervor und warb für eine konsequente Umsetzung der auf europäischer Ebene vereinbarten Maßnahmen.